Geschichte der Mitgliedergruppe Appenweier

  • Von: Karl-Rolf Gissler

Es war am Sonntag, den 22. Juni 1958, als der Vorsitzende des Historischen Vereins für Mittelbaden, Professor Dr. Otto Kähni, in Appenweier einen Vortrag über die Reichslandvogtei Ortenau hielt. Im Anschluss daran wurde auf Vorschlag von Professor Gustav Brudy die Mitgliedergruppe Appenweier gegründet.

Schon in den dreißiger Jahren hatte Professor Gustav Brudy durch verschiedene Veröffentlichungen wesentlich zur Erforschung der Geschichte Appenweiers beigetragen. Die Gründung einer Ortsgruppe schien auch deshalb sinnvoll, weil - wie das Protokoll berichtet - schon eine längere Zeit zahlreiche Bürger sowohl von Appenweier als auch aus den Nachbarorten Mitglieder des Hauptvereins im Historischen Verein waren. So entstand der Wunsch, eine eigene Mitgliedergruppe zu gründen. Zu den 21 bisherigen Mitgliedern kamen bei der Gründungsversammlung noch elf neue und ein juristisches Mitglied (die Gemeinde Windschläg) dazu. Somit waren es 32 natürliche und eine juristische Person, die den Ortsverein Appenweier gründeten. Zum Vertrauensmann (Obmann) wurde Studienassessor Karl Maier „gebeten“, wie das Protokoll vermerkt, Wilhelm Obert wurde zum Rechner (sein Amt übernahm später Richard Dreier), Dr. Günther Maier zum Schriftführer und stellvertretenden Obmann bestellt. Bereits nach einem Jahr erschien ein erstes Jahresheft der Mitgliedergruppe Appenweier, in dem über das politische und kulturelle Leben, über das allgemeine Dorfgeschehen sowie über besondere Ereignisse aus vergangenen Tagen berichtet wurde (Prof. Brudy).
Die folgenden Jahre waren von großer Aktivität geprägt; so berichten Aufsätze von Prof. Brudy über Familien im Dorf und die Baugeschichte von St. Michael. Es erschien im Jahr 1964 das „Historisch-topographische Wörterbuch des Kreises Kehl“, das auch alles Wissenswerte und Wesentliche über Appenweier enthält. Aufgrund seines unermüdlichen persönlichen Einsatzes erreichte es Dr. Günther Maier, dass schon für das Jahr 1965 die Ausrichtung der Generalversammlung des Gesamtvereins nach Appenweier vergeben und zu einem großen Erfolg für die noch junge Mitgliedergruppe wurde.

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Appenweierer Heimattag 1965 – von links: Prof. Gustav Brudy, Beate Stäbler, Dr. Günther Maier, Rektor Hermann Stäbler, Dr. Zier vom Generallandesarchiv Karlsruhe.

Gleichzeitig veranstaltete man am 17. Oktober 1965 einen „Appenweierer Heimattag“ mit einem umfangreichen, niveauvollen Programm (u.a. eine durch Dr. Zier vom Generallandesarchiv Karlsruhe eingerichtete Ausstellung „Appenweier gestern, heute und morgen“, die Enthüllung einer Ortsgeschichtstafel, Führung durch die renovierte Pfarrkirche St. Michael, die Eröffnung der „Simon-Bruder-Stube“ u.a.m.). Dr. Günther Maier hat durch sein selbstloses Wirken die Geschichte der Mitgliedergruppe nachhaltig geprägt. 1965 lobte der Landrat des Kreises Kehl, Walter Schäfer: „Ich entnehme daraus (aus einem Brief), daß Sie mit unwahrscheinlicher Energie ein gutes Ziel verfolgen, aus Appenweier etwas zu machen, was seiner großen Geschichte würdig ist. Ich freue mich darüber.“
Im Jahr 1967 überreichte Otto Bollack, ein Mitglied des Vereins, bemerkenswerte Aufzeichnungen zur Appenweierer Geschichte; sie enthalten Erinnerungen, Erlebnisse, Aussagen aus seinem Verwandten- und Bekanntenkreis sowie eigenes Wissen als Zeitzeuge. Eingeschlossen darin sind auch Berichte aus Alt-Appenweier, die wirtschaftliche Entwicklung, Berichte aus der Landwirtschaft und deren Veränderungen. Außerdem wurden persönliche Schilderungen des lokalen Geschehens in Appenweier aus dem ersten und zweiten Weltkrieg in das zeitgeschichtliche Dokument aufgenommen.
Über viele Jahre hinweg wurden unter großer Anteilnahme der Bevölkerung Dia- und Filmabende veranstaltet. Den Brüdern Dr. Günther und Karl Maier gelang es dabei immer wieder, mit ihren Dokumentationen interessant und kenntnisreich über das Dorfgeschehen zu berichten. Auf verdienstvolle Weise haben sie über einen langen Zeitraum einen Fundus an umfassenden und wertvollen Filmen und Dias geschaffen, die alltägliche und festliche Ereignisse im Bild festhielten. So ist es uns heute dank ihrer Weitsicht möglich, Vergangenheit wieder lebendig werden zu lassen. Ergänzt wurde diese Materialsammlung durch die Herausgabe der „Appenweierer Heimatblätter”, die auf vielfache Weise Geschichte und Gegenwart miteinander verbanden und interessierten Mitbürgern das historische Leben um ihr Heimatdorf zu vermitteln suchten. In geschickter Arbeitsteilung organisierten die beiden die Jahresprogramme des Vereines. Der eine führte mit großem Erfolg Exkursionen in das benachbarte Elsass (z. B. Straßburg, Colmar, Haut-Barr), aber auch zu den zahlreichen historischen Stätten der Ortenau sowie zu der legendären Staufer-Ausstellung nach Stuttgart durch. Karl Maier berichtet bis heute in Vorträgen über kulturelle Themen - auch in Nachbargemeinden (Geschichte der Staufer, Hexenprozesse, Sagen unserer Dörfer, Kloster Allerheiligen, Badische Revolution 1847/48 u.a.m.).
Ein weiterer Höhepunkt für die Mitgliedergruppe Appenweier waren die Feierlichkeiten zum 1100-jährigen Jubiläum (erste Nennung des Ortsnamens ‚Appenweier’). Damals verfasste Karl Maier - als Autor und Redakteur - zusammen mit sachkundigen Bürgern eine Ortsgeschichte, die alle wesentlichen Aspekte der Entwicklung und Geschichte Appenweiers zusammenfasste.

Im Rahmen des Festes gestaltete die Mitgliedergruppe zusammen mit dem Handwerker- und Gewerbeverein eine große Erinnerungsausstellung mit Bildern und Fotografien sowie mit originalen Werkzeugen und Produkten aus der Appenweierer Vergangenheit. Das Protokoll berichtet, das Interesse der Bevölkerung sei sehr groß und der Besuch der Ausstellung „außerordentlich gut“ gewesen. Selbstverständlich beteiligten sich die Mitglieder auch mit drei historischen Gruppen an dem großen Festumzug am Jubiläumssonntag.
Die folgenden Jahre waren eher geprägt durch Arbeit im Hintergrund und daher weniger für die Öffentlichkeit sichtbar: Mitwirkung bei Ausstellungen und Ortsjubiläen, Buchveröffentlichungen (z. B. über Allerheiligen), Recherchen für die Gemeindeverwaltung u.a.m. Diese Zeit war außerdem geprägt von dem Wunsch des Vorstandes, einen Archivraum zu bekommen, in dem die große Anzahl von Büchern und Archivalien sachgerecht aufbewahrt werden können. Im Jahr 1997 ging dieser Wunsch schließlich in Erfüllung, so dass jetzt wichtige Zeugnisse der Dorfgeschichte an einem zentralen Ort aufbewahrt werden können.
Nach 45 Jahren legte der Obmann Karl Maier die Verantwortung in jüngere Hände. Am 25. Oktober 2003 wurde im Rahmen einer Generalversammlung ein neuer Vorstand gewählt: Otmar Brudy als Vorsitzender, Karl-Rolf Gissler als Stellvertreter und Walter Kornmeier als Kassier.
Der Historische Verein für Mittelbaden - Mitgliedergruppe Appenweier - würdigte die großen Verdienste des bisherigen Vorsitzenden Karl Maier, indem sie ihn am 26. November 2008 zum Ehrenvorsitzenden ernannte.

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Neuer Vorstand seit 2003 von links: Ehrenvorsitzender Karl Maier, Vorsitzender Ottmar Brudy, Walter Kornmeier, Karl-Rolf Gissler

Auf den neuen Vorstand warten große Aufgaben. Seit Jahren wird versucht, die Geschichte der „Alten Burg am Graben“ zu ergründen. Außerdem werden für die Pfarrgemeinde die Kirchenbücher (Tauf-, Hochzeits- und Sterbebücher) aus den Folianten (Handschriften in deutscher Schrift) in den PC übertragen. So können in Zukunft Informationen daraus vernetzt und besser genutzt werden. Ein weiteres Aufgabengebiet des Vereins ist es, einen Beitrag zum kulturellen Leben in Appenweier zu leisten und sich um die Erschließung sowie die Bewahrung historischer Zusammenhänge und Objekte zu kümmern. Darüber hinaus bleibt es ein großes Anliegen der Mitgliedergruppe, das Elsass durch Vorträge und Exkursionen noch besser kennen und verstehen zu lernen.

Autor: Karl-Rolf Gissler

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